KONTEXT

NOTIZEN AUS DER PROVINZ

Wenn Mitarbeitermedien relevant sein wollen, dürfen sie die Welt nicht ausblenden

Zwischen zehn und zwanzig Prozent der Kinder, die heute zur Welt kommen, werden 100 Jahre oder älter. Die Länder, die heute Emerging Markets sind, bestimmen schon in wenigen Jahren die Geschicke der Weltwirtschaft. Europa und die USA sind dann Nebenschauplätze. Mehr als zwei Drittel der Deutschen sind in sozialen Netzwerken organisiert. Und täglich werden es mehr.

Drei von vielen Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft, die Gegenwart und Zukunft der Unternehmen hierzulande massiv beeinflussen. Maschinenbau, Chemie, Automobil, Finanzdienstleistung oder Handel – Unternehmen aller Branchen sind von Megatrends wie dem demographischen Wandel, dem Shift to Asia oder der digitalen Revolution betroffen.

Die Welt in interne Medien holen

Warum reden sie eigentlich nicht darüber, zumindest nicht mit ihren Mitarbeitern? Warum sind nur die Analystenpräsentationen, die Geschäftsberichte oder Nachhaltigkeitsberichte angereichert mit einem Blick auf das politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Umfeld?

Während die Welt sich in eine andere Richtung dreht, halten es viele interne Medien wie eine Lokalredaktion: Sie erzählen, was „im Dorf“ so passiert, berichten von Veranstaltungen, weisen auf Veranstaltungen hin, porträtieren mal diesen, mal jenen. Die Welt des Unternehmens wird in der internen Kommunikation oft künstlich klein gehalten. So erhält das neue Effizienzprogramm eine Doppelseite. Zur strukturellen Marktkrise, wegen der dieses Programm überhaupt notwendig wird, kein Wort.

Zusammenhänge erklären

Diese Praxis ist ein Relikt aus einer Zeit, als die interne Kommunikation noch einen anderen Zweck hatte als heute. Sie sollte über Interna informieren und Identifikation stiften. Also wurde soviel wie möglich über das berichtet, was im Unternehmen so passiert. Das hält die Mitarbeiter auf dem Laufenden und es schafft Bindung. Aus dieser Perspektive heraus war es richtig, dass die internen Kommunikatoren quasi als Lokaljournalisten agierten. Aber nun sind – im übertragenen Sinne – auch politische und Wirtschafts-Journalisten gefragt. 

Unternehmen verändern sich in immer kürzeren Rhythmen, und die Gründe dafür liegen in neun von zehn Fällen in politischen, volks- oder weltwirtschaftlichen oder eben gesellschaftlichen Veränderungsprozessen. Diese Zusammenhänge zu erklären, ist heute – neben dem nach wie vor wichtigen Stiften von Identifikation – Aufgabe der internen Kommunikation.

Das bringt auch einen neuen zeitlichen Horizont mit sich. Der lokaljournalistische Blick geht zwei, drei Wochen zurück und zwei, drei Wochen voraus. Wer Veränderungen erklären will, die durch globale Trends getrieben werden, muss den Bogen weiter spannen, muss Historie bedienen und die Zukunft vorstellbar machen.